Das schottische Entwicklerstudio Build a Rocket Boy kommt nicht zur Ruhe. Nach dem desaströsen Launch des Action-Titels „MindsEye“ im Sommer 2025 hat sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens offenbar weiter zugespitzt. Diese Woche wurde eine weitere Entlassungswelle bekannt, während die Studioführung gleichzeitig ihre Theorie von einer fremdverschuldeten Katastrophe untermauert.
Es geht weiter bergab
Einst als großer Wurf angekündigt, entpuppte sich MindsEye bei seiner Veröffentlichung als einer der größten Flops des Jahres 2025. Technische Probleme und spielerische Mängel führten zu vernichtenden Kritiken. Ein erhoffter Comeback-Kurs, wie einst bei No Man‘s Sky oder Cyberpunk 2077, blieb dem Titel bislang verwehrt .
Wie das Unternehmen nun in einer offiziellen Mitteilung von Co-CEO Mark Gerhard einräumte, haben die vergangenen Monate keine Besserung gebracht. Ganz im Gegenteil: Das Studio sah sich gezwungen, erneut einen Teil seiner Belegschaft zu entlassen. Gerhard bedankte sich auf LinkedIn bei den betroffenen Angestellten und würdigte deren Einsatz: „Die Menschen, die unser Team verlassen, haben enormes Talent, Leidenschaft und unzählige Überstunden investiert, um das aufzubauen, woran wir glauben. Kolleginnen und Kollegen gehen zu lassen, ist niemals etwas, das eine Führungskraft tun möchte“ .
Wurde Mindseye sabotiert?
Parallel zu den personellen Konsequenzen erneuerte die Führungsebene jedoch ihre schwerwiegenden Vorwürfe gegen unbekannte Dritte. Bereits im Vorfeld des Launches und in den Monaten danach hatte Gerhard von einer gezielten, millionenschweren Sabotagekampagne gesprochen, die dem Spiel bewusst geschadet habe .
Im Zuge der aktuellen Entlassungen konkretisierte er diese Anschuldigungen nun. Die monatelangen Untersuchungen mit externen Partnern und Rechtsberatern hätten „überwältigende Beweise für organisierte Spionage und Unternehmenssabotage“ zutage gefördert, die den Launch von MindsEye beeinträchtigt hätten . Da sich das Verfahren in der Phase der Strafverfolgung befinde, könne man jedoch noch keine konkreten Details nennen, so Gerhard weiter.
Diese Darstellung stößt in der Branche jedoch zunehmend auf Unverständnis und Kritik. Wie unter anderem **Gamespot** berichtet, werfen Branchenkollegen Gerhard vor, die Entlassungen mit einer unbelegten Verschwörungstheorie zu rechtfertigen und damit den betroffenen Mitarbeitern gegenüber respektlos zu handeln . Zudem hatten bereits früher anonyme Entwickler die internen Führungsstrukturen und eine gehetzte Entwicklung für das Scheitern des Spiels verantwortlich gemacht .
Die große Wende blieb aus
Die wirtschaftliche Realität des Studios zeichnet derweil ein düsteres Bild. Der Versuch, mit einem großen Update im Februar 2026 eine Wende wie Cyberpunk 2077 zu schaffen, schlug fehl. Wie OpenCritic unter Berufung auf Steam-Daten berichtete, stieg die Spielerzahl nach diesem als Reset beworbenen Patch nur von 15 auf magere 33 gleichzeitige Nutzer. Analysten und Beobachter fragen sich daher zunehmend, wie lange Build a Rocket Boy den Betrieb noch aufrechterhalten kann.
Hinzu kommen strategische Rückschläge: Bereits im Januar wurde bekannt, dass sich das Studio von seinem Partner IO Interactive getrennt hat, um die Veröffentlichung zukünftig selbst in die Hand zu nehmen. Ein geplanter Crossover mit der Hitman-Reihe wurde daraufhin verworfen .
Ob MindsEye das Schicksal anderer gescheiterter Live-Service-Titel erspart bleibt, ist fraglich. Bislang betont das Studio jedoch, weiterhin an Verbesserungen zu arbeiten. Der Action-Titel erschien im Juni 2025 für PC, PS5 und Xbox Series X/S.
Quelle: GamesIndustry.biz
Bild © 2025 Build a Rocket Boy
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